wedium: Neues soziales Medium setzt auf verifizierte Menschen statt Bot-Armeen
Hundert Jahre nach der Eröffnung des Berliner Funkturms begann an diesem historischen Ort ein neues Kapitel europäischer Kommunikationsgeschichte: Am 31. Juli 2026 startete wedium in Deutschland, Österreich und der Schweiz. Einen Tag zuvor stellte das fünfköpfige Gründungsteam das neue soziale Netzwerk bei einer Pressekonferenz im Restaurant des Berliner Funkturms erstmals umfassend der Öffentlichkeit vor. Der Ort war bewusst gewählt. Der 1926 eröffnete Funkturm steht seit einem Jahrhundert für technischen Fortschritt, öffentliche Kommunikation und den Anspruch Berlins, neue Technologien nicht nur zu nutzen, sondern mitzugestalten. Im Jubiläumsjahr 2026 wird das Wahrzeichen 100 Jahre alt. Mit wedium startete von Berlin aus der Versuch, Social Media europäisch neu aufzusetzen: als digitalen öffentlichen Raum, in dem Menschen, Creator, Medien, Jugendliche, Marken und gesellschaftliche Organisationen nicht gegeneinander ausgespielt, sondern als Teil eines gemeinsamen Ökosystems verstanden werden. „Europa braucht nicht nur strengere Regeln für Plattformen aus anderen Teilen der Welt – Europa braucht eine eigene digitale Öffentlichkeit“, sagt Dr. Nele Meissner, CEO, Mitgründerin und Medienwissenschaftlerin. „Mit wedium bauen wir einen Raum, in dem Freiheit, Verantwortung, Jugendschutz und technologische Souveränität von Anfang an zusammengehören.“
Der Mensch wird wieder zur Eintrittskarte
Im Zentrum von wedium steht die Verifizierung der Nutzerinnen und Nutzer. Wer ein Konto eröffnet, weist über ein externes Identifikationsverfahren nach, dass hinter dem Account ein realer Mensch steht. Identitätsdokumente werden dabei nicht von wedium gespeichert. Die Verifizierung soll ein Grundproblem heutiger sozialer Netzwerke bereits an der Eingangstür deutlich reduzieren: automatisierte Massenaccounts, Bot-Netzwerke und künstlich erzeugte Reichweite. Sie verhindert nicht jedes Fehlverhalten – schafft aber eine wesentlich bessere Grundlage dafür, dass Menschen Verantwortung für ihre Accounts und ihre Beiträge übernehmen. wedium verbindet diesen Ansatz mit menschlichem Community Management und einer Plattformarchitektur, die nicht auf maximale Empörung, endlose Eskalation oder künstliche Aktivität ausgelegt ist. Ziel ist eine verlässlichere und positivere Umgebung, die einen gesünderen Umgang mit sozialen Medien unterstützt. „Vertrauen entsteht nicht durch einen weiteren Hinweis in den Nutzungsbedingungen“, sagt Lukas Backhaus, Mitgründer und verantwortlich für Community Management. „Es entsteht, wenn echte Menschen auf echte Menschen treffen – und im Konfliktfall auch ein echter Mensch ansprechbar ist.“
Ein europäisches Produkt mit Creator Suite
wedium ist keine reine politische Idee, sondern eine vollständig entwickelte Social-Media-Anwendung mit einem auf Kurzvideos ausgerichteten Nutzungserlebnis. Die App bietet eigene Werkzeuge für Aufnahme, Schnitt, Veröffentlichung und Community-Interaktion. Creator können Inhalte unmittelbar in der Anwendung produzieren und bearbeiten. Nutzerinnen und Nutzer können zwischen unterschiedlichen Formen der Entdeckung wählen: einem stärker persönlich ausgerichteten Feed und einem Feed, der Themen und Inhalte aus der gesamten Community sichtbar macht. Damit verbindet wedium persönliche Relevanz mit der Möglichkeit, bewusst über die eigene digitale Komfortzone hinauszublicken. „In sehr kurzer Zeit ist aus einem großen gesellschaftlichen Anspruch ein Produkt geworden, das sich schnell, intuitiv und erstaunlich selbstverständlich anfühlt“, sagt Andreas Hacker, Mitgründer und CTO von wedium. „Unsere Aufgabe war nicht, Social Media komplizierter zu machen, sondern gute Technik so einzusetzen, dass Kreativität und vertrauensvoller Austausch leichter werden.“
Creator und Medien sollen am Erfolg beteiligt werden
wedium will nicht nur die Kultur sozialer Medien verändern, sondern auch ihre ökonomische Grundlage. Creator und professionelle Medien sollen an den Erlösen beteiligt werden, die ihre Inhalte ermöglichen. Vorgesehen ist, 50 Prozent der zurechenbaren Netto-Werbeerlöse mit ihnen zu teilen. Werbung soll zu einem späteren Zeitpunkt eingeführt werden. Geplant ist ein Modell, das sich stärker am jeweiligen Inhalt und thematischen Umfeld orientiert als an der umfassenden Verfolgung einzelner Nutzerinnen und Nutzer. Marken sollen dadurch in einem glaubwürdigen, transparenten und verlässlichen Umfeld kommunizieren können. „Wer es mit Big Tech aufnehmen will, braucht neben menschlichen Werten auch ein tragfähiges Geschäftsmodell“, sagt Johannes Meissner, Mitgründer und CEO von wedium. „Creator und Medien schaffen den Wert sozialer Netzwerke – deshalb sollen sie bei wedium nicht nur Reichweite liefern, sondern an der Wertschöpfung beteiligt werden.“ Eine besondere Rolle spielen professionelle Medienangebote. Verlage, Redaktionen und journalistische Organisationen sollen bei wedium ein Umfeld finden, in dem ihre Inhalte auffindbar bleiben, vertrauenswürdig eingeordnet und wirtschaftlich genutzt werden können. Auf wedium können externe Links gesetzt werden, z. B. zum Original-Beitrag oder zur Paywall. Sebastian Wilke, Mitgründer und CFO: „Besonders wichtig ist uns, dass Medien hier nicht als kostenlose Content-Lieferanten behandelt werden, sondern eine verlässliche digitale Heimat finden, in der sie ihre Inhalte sichtbar machen und monetarisieren können.“
Jugendschutz nach Alter, nicht nach Einheitsregel
Parallel zum öffentlichen Start beginnt wedium eine neue Beta-Phase für den Kinder- und Jugendschutz. Jugendliche und Eltern können sich für die Teilnahme registrieren. Grundlage des Konzepts ist eine Befragung von Jugendlichen und Eltern. Statt alle Minderjährigen mit denselben Voreinstellungen zu behandeln, unterscheidet wedium künftig zwischen drei Entwicklungsstufen:
- 13 Jahre,
- 14 bis 15 Jahre,
- 16 bis 17 Jahre.
Für diese Altersgruppen gelten unterschiedliche Voreinstellungen, die sowohl dem jeweiligen Schutzbedürfnis als auch den wachsenden Freiheits- und Beteiligungsrechten Jugendlicher Rechnung tragen. Dazu gehören unter anderem abgestufte Sichtbarkeits-, Kontakt-, Inhalts- und Zeiteinstellungen. Die Vorgaben werden standardmäßig aktiviert, können aber im vorgesehenen Rahmen gemeinsam mit den Erziehungsberechtigten angepasst werden. Der Ansatz wurde fachlich von der Psychologin und Expertin für digitalen Kinderschutz Julia von Weiler begleitet, die sich seit mehr als zwei Jahrzehnten mit dem Schutz von Kindern und Jugendlichen im digitalen Raum beschäftigt. „Kinder und Jugendliche sind keine einheitliche Nutzergruppe und auch keine kleinen Erwachsenen“, sagt von Weiler. „Guter digitaler Jugendschutz muss Schutz und Beteiligung zusammendenken, altersgerecht voreingestellt sein und darf die Verantwortung nicht allein bei den Familien abladen.“ Die Beta soll gemeinsam mit Jugendlichen, Eltern und Fachleuten weiterentwickelt werden. wedium versteht Jugendschutz dabei nicht als nachträgliche Reparatur, sondern als Bestandteil der Produktarchitektur.
Eine neue Kultur des sozialen Austauschs
Zum Advisory Board von wedium gehört u.a. Dr. Tobias Korenke, Geschäftsführer der Krebs Selbsthilfeorganisation yeswecan!cer und in der politischen Bildungsarbeit engagiert. „Eine demokratische Öffentlichkeit lebt davon, dass Menschen für ihr Wort erkennbar Verantwortung übernehmen“, sagt Korenke. „Ein europäisches Netzwerk, das auf überprüfbare Identitäten, menschliche Gemeinschaft und eine Kultur des respektvollen Widerspruchs setzt, ist deshalb nicht nur ein Technologieprojekt, sondern ein gesellschaftliches.“ yeswecan!cer betreibt mit der yes!community eine große digitale Selbsthilfe-Community für Menschen mit Krebs und setzt sich für einen angst- und tabufreien Umgang mit der Erkrankung ein. wedium will diese Form vertrauensvoller digitaler Gemeinschaft auf viele gesellschaftliche Bereiche übertragen: von Gesundheit und Wissenschaft über Politik, Kultur und Sport bis zu Kochen, Mode, Wissen und Unterhaltung.
Start in DACH, europäischer Roll-out ab Oktober
Am 31. Juli begann der öffentliche Start in Deutschland, Österreich und der Schweiz. Die Anwendung steht zunächst auf Deutsch und Englisch zur Verfügung. Im Oktober 2026 soll der Roll-out in weiteren europäischen Ländern folgen. Die technische Infrastruktur und die Datenverarbeitung sollen in Europa verankert bleiben. Damit verbindet wedium seinen wirtschaftlichen Ausbau mit einem klaren politischen Anspruch: Europa soll den digitalen öffentlichen Raum nicht ausschließlich regulieren, sondern wieder selbst gestalten. „Wir starten nicht, weil die Welt noch eine weitere App braucht“, sagt Dr. Nele Meissner. „Wir starten, weil ein demokratisches Europa einen digitalen Raum braucht, der seinen eigenen Werten entspricht.“
