„Wer Zusammenhänge versteht, kann Manipulation erkennen“
MVFP impuls | Tim, nach dem großen Erfolg deines ersten Buchs „Was dich die Schule nicht lehrt“ ist im Dezember der zweite Teil erschienen – diesmal als Karriereratgeber. Was hat dich motiviert, in deinem neuen Buch den Einstieg ins Berufsleben in den Mittelpunkt zu stellen?
Tim Hendrik Walter | Wie im ersten Buch geht es auch diesmal darum, Orientierung zu bieten. Viele junge Menschen sind unsicher, wenn es um den Einstieg ins Berufsleben geht. Kein Wunder bei Tausenden Möglichkeiten und einer Arbeitswelt, die sich durch KI und Digitalisierung rasant verändert. Wir wollen zeigen, wie man in diesem Chaos seinen eigenen Weg findet, ohne sich überfordert zu fühlen. Gleichzeitig stoße ich immer wieder auf viele Fragen rund um arbeitsrechtliche Themen vom ersten Arbeitsvertrag bis hin zu Urlaub, Gehalt oder Nebenjobs. Deshalb war es uns wichtig, auch diese Aspekte praxisnah und verständlich einzubauen.
Der erste Teil von „Was dich die Schule nicht lehrt“ richtet sich vor allem an junge Menschen, die Orientierung für das Leben nach der Schule suchen. Welche Reaktionen oder Begegnungen aus dieser Zeit sind dir besonders im Gedächtnis geblieben?
Eine Begegnung, die ich nie vergessen werde, war bei einer Signierstunde in Köln: Da stand eine junge Person zitternd vor mir und sie fing plötzlich an zu weinen. Das war für mich ein sehr bewegender Moment, weil ich gemerkt habe, dass unsere Inhalte wirklich etwas bewirken können und dass Worte manchmal genau dann ankommen, wenn man sie am meisten braucht. Solche Begegnungen motivieren mich unglaublich, weiterzumachen.
In deinen Büchern vermittelst du Wissen, das aus deiner Sicht im Unterricht oft zu kurz kommt – von Alltagsrecht bis Arbeitswelt. Wo siehst du persönlich die größten Lücken, wenn es darum geht, junge Menschen auf das reale Leben vorzubereiten?
Eigentlich fehlt es an allem. Viele junge Menschen werden einfach ins Leben geworfen, ohne wirklich zu wissen, wie die Welt da draußen funktioniert. Und das betrifft übrigens nicht nur Jugendliche, sondern auch viele Erwachsene. Es gibt haarsträubende Fehlannahmen darüber, was bestimmte Dinge im Leben bedeuten. Etwa, warum man eine Ehe eingeht oder welche rechtlichen Folgen das hat. Oft fehlt schlicht das Grundverständnis für Alltagsthemen wie Verträge, Steuern, Versicherungen oder Arbeitsrecht.
Auf deinen Social-Media-Kanälen erreichst du oft humorvoll, aber immer faktenbasiert Millionen Follower mit juristischen und gesellschaftlichen Themen. Wie wichtig ist Medienkompetenz – besser gesagt: Informationskompetenz – für dich, gerade in einer Zeit, in der Desinformation und Algorithmen die Meinungsbildung stark beeinflussen?
So wichtig wie noch nie. Gerade in Zeiten von KI, in denen sich künstlich erzeugte Inhalte optisch kaum noch von echten unterscheiden lassen, ist Informationskompetenz entscheidend. Wir müssen wieder lernen, kritisch zu hinterfragen, was wir sehen, lesen und teilen. Dafür braucht es ein gewisses Judiz, also die Fähigkeit, Informationen richtig einzuordnen, Quellen zu prüfen und nicht jedem Algorithmus die eigene Meinung zu überlassen. Wer das nicht entwickelt, läuft Gefahr, in einer künstlich erzeugten Realität zu leben.
Auf welchem Weg können junge Menschen aus deiner Sicht Medien- sowie Informationskompetenz am besten erlernen? Und welche Rolle spielt das Lesen dabei?
Es gibt keinen einfachen oder schnellen Weg. Kritisches Denken entsteht nicht durch ein paar Tipps oder Checklisten, sondern durch Wissen und durch die Fähigkeit, Logik anzuwenden. Wer Zusammenhänge versteht, kann Informationen besser einordnen und Manipulation erkennen. Dabei spielt Lesen eine enorme Rolle: Bücher zwingen uns, tiefer einzutauchen, Zusammenhänge zu begreifen und selbst zu denken, statt nur Schlagzeilen zu konsumieren. Lesen schult das Urteilsvermögen und genau das ist die Grundlage echter Medienkompetenz.
Du warst in den vergangenen beiden Jahren Testimonial der MVFP-Pressefreiheitskampagne #PressefreiheitIstDeineFreiheit. Warum war es dir wichtig, dich dafür einzusetzen? Und welche Bedeutung hat Presse- und Meinungsfreiheit aus deiner Sicht gerade für die Gen Z?
Wir würden es erst merken, wenn es zu spät ist. Pressefreiheit wirkt selbstverständlich, ist aber weltweit immer stärker unter Druck. Gerade die Gen Z wächst in einer Zeit auf, in der Informationen überall verfügbar sind, aber unabhängige Berichterstattung immer schwerer Gehör findet. Presse- und Meinungsfreiheit bedeuten, sich eine eigene, fundierte Sicht auf die Welt bilden zu können. Und genau das müssen wir schützen.
Und zum Abschluss: Hast du eine Lieblingszeitschrift und wenn ja, welche?
GEO. Ich mag die Tiefe der Themen und die Art, wie komplexe Zusammenhänge verständlich erklärt werden. Man spürt, dass da wirklich recherchiert und nicht einfach nur schnell produziert wird.
Tim Hendrik Walter ist Fachanwalt für Familienrecht und Notar. Als „Herr Anwalt“ ist er einer der reichweitenstärksten Content-Creators Deutschlands. 2024 und 2025 war er Testimonial für die Pressefreiheitskampagne des MVFP.
MVFP impuls als E-Paper lesen.
