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#PressefreiheitIstDeineFreiheit, Pressefreiheitstag, Pressefreiheit

Zwischen Fakten und Fake News: Aktionstag zum Tag der Pressefreiheit erreicht 120 Jugendliche

Print & Digital Pressefreiheitskampagne Medienpolitik

MVFP und Partner setzen mit Aktionstag in der „Stasi-Zentrale. Campus für Demokratie“ deutliches Zeichen für freien Journalismus und Debattenkultur | Podiumsdiskussion mit Susanne Koelbl, Karoline Preisler, Iman Sefati, Linda Friese und Carlotta Richter | Interaktive Workshops stärken kritisches Denken und Informationskompetenz

Foto: Laurin Schmid / Czybik & Schmid Media
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Prof. Dr. Daniela Münkel (Foto: Laurin Schmid / Czybik & Schmid Media)
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Iman Sefati (Foto: Laurin Schmid / Czybik & Schmid Media)
Karoline Preisler (Foto: Laurin Schmid / Czybik & Schmid Media)
Susanne Koelbl (Foto: Laurin Schmid / Czybik & Schmid Media)
Linda Friese (Foto: Laurin Schmid / Czybik & Schmid Media)
Carlotta Richter (Foto: Laurin Schmid / Czybik & Schmid Media)
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Posten, teilen, kommentieren – noch nie war es so einfach, Informationen zu konsumieren und zu verbreiten. Gleichzeitig wird es für viele Menschen immer schwieriger, Fakten von Desinformation zu unterscheiden. Vor diesem Hintergrund hatten 120 Schülerinnen und Schüler anlässlich des Tags der Pressefreiheit am 3. Mai am 28. April auf Einladung des Medienverbands der freien Presse (MVFP) und 13 Partnern in der „Stasi-Zentrale. Campus für Demokratie“ in Berlin die Gelegenheit, sich im Rahmen eines Aktionstags unter dem Motto #PressefreiheitIstDeineFreiheit intensiv mit den Themen Pressefreiheit, Desinformation und Informationskompetenz auseinanderzusetzen.

Zum Auftakt diskutierten Susanne Koelbl, Auslandskorrespondentin beim SPIEGEL, die Politikerin und Autorin Karoline Preisler, Iman Sefati, Reporter und Multimedia-Producer bei BILD, sowie Linda Friese, stellvertretende Ressortleiterin und Host des ZEIT-Formats „Hochkant“, über die Rolle freier Medien in einer zunehmend polarisierten Öffentlichkeit. FUNKE-Journalistin Carlotta Richter (@funke.news) moderierte das Gespräch. Dabei wurde deutlich, wie sehr der digitale Raum die Rahmenbedingungen für Journalismus verändert hat und wie wichtig es ist, mit verlässlichen Informationen Orientierung zu geben.

„Man muss miteinander diskutieren, nicht Gewalt ausüben – das ist ein No-Go. Ich wurde selbst bedroht, sogar vor meiner Haustür, meine Familie und Nachbarn waren betroffen“, betonte Iman Sefati. Der in Teheran geborene Videojournalist und Reporter bei BILD, dessen Vater als Widerstandskämpfer gegen das iranische Regime 1988 hingerichtet wurde, dokumentiert mit seiner Arbeit seit Jahren Demonstrationen und antisemitische Vorfälle. Dabei wurde er wiederholt angegriffen und bedroht – Erfahrungen, die seine Perspektive auf Pressefreiheit nachhaltig prägen. „Pressefreiheit ist ein Instrument unserer Demokratie. Wenn Journalistinnen und Journalisten Angst haben, über Dinge zu berichten, die wehtun, ist das gefährlich. Das darf niemals passieren. Denn wenn wir nicht berichten, kommt die Wahrheit nicht ans Licht – und ohne Wahrheit haben wir eine schlechtere Zukunft. Pressefreiheit steht aktuell auch in Deutschland unter Druck, von verschiedenen Seiten. Es ist unsere gemeinsame Aufgabe, sie zu schützen.“

Auch Karoline Preisler zeigte anhand ihrer Schilderungen, wie sehr persönliche Erfahrungen das Engagement für Presse- und Meinungsfreiheit prägen. Die in der DDR geborene Politikerin und Autorin berichtete, wie früh sie selbst die Konsequenzen eingeschränkter Meinungsfreiheit erlebt habe – und warum sie sich bis heute aktiv für offene Debatten einsetzt. Preisler geht bewusst auf Demonstrationen, deren Positionen sie nicht teilt, um den direkten Kontakt mit Demonstrierenden zu suchen – oft allein und am Rand der Versammlungen. Dabei wurde sie wiederholt zur Zielscheibe von Anfeindungen und Bedrohungen. Ihr Ziel sei es, auch in aufgeheizten Situationen im Gespräch zu bleiben, Gemeinsamkeiten auszuloten und demokratischen Diskurs zu ermöglichen. „Ich weiß noch sehr genau, wie sich Unfreiheit anfühlt – und wie Repression wirkt. Das beeinflusst mich sehr, und deshalb streite ich so sehr dafür, dass die Errungenschaften nicht geschliffen werden. Unsere Gesellschaft wird nicht besser, wenn wir uns nur gegenseitig bestätigen. Demokratie lebt davon, dass wir im Gespräch bleiben und konstruktiv streiten.“

Susanne Koelbl gab eindrückliche Einblicke in ihre Arbeit als Auslandskorrespondentin in Krisen- und Konfliktregionen und zeigte, wie fragil Pressefreiheit in vielen Teilen der Welt ist. Die langjährige SPIEGEL-Reporterin berichtete von ihren Erfahrungen in Ländern wie Afghanistan, Syrien, Saudi-Arabien oder Pakistan – und davon, welchen Preis unabhängiger Journalismus dort haben kann. „Wenn Journalistinnen und Journalisten in solchen Ländern über Korruption berichten, geht es nicht um Kritik oder einen öffentlichen Skandal – es geht um ihr Leben“, schilderte Koelbl. Wer Machtmissbrauch offenlege, müsse damit rechnen, verfolgt oder sogar getötet zu werden. „Wenn solche Berichte veröffentlicht werden, hat derjenige bzw. diejenige mitunter kaum eine Chance, das nächste Jahr zu erleben.“ Es gebe alle Formen von Repression – von Bedrohung über wirtschaftlichen Druck bis hin zur realen Gefahr für das eigene Leben und die Sicherheit der Familie.

Mit Blick auf die Rolle sozialer Medien im Journalismus schilderte Linda Friese, stellvertretende Ressortleiterin und Host des ZEIT-Formats „Hochkant“, wie sehr sich Produktionsweisen und Ausspielwege verändert haben. Die stellvertretende Ressortleiterin im Hochkant-Ressort von DIE ZEIT entwickelt Formate für Plattformen wie TikTok, um insbesondere eine junge Zielgruppe mit journalistischen Inhalten zu erreichen – und steht dabei vor der Herausforderung, unabhängigen Journalismus mit den Dynamiken sozialer Netzwerke zu verbinden. „Die Wege, wie wir Journalismus erzählen und verbreiten, haben sich stark verändert – die Qualitätsansprüche aber nicht. Auch auf Social Media gilt: recherchieren, prüfen, einordnen“, betonte Friese. Gerade weil sich viele junge Menschen heute primär über Plattformen wie TikTok informieren, sei es entscheidend, dass verlässliche Medien dort präsent sind. „Wir müssen verstehen, wie diese Plattformen funktionieren, um Menschen zu erreichen, aber ohne dabei unsere journalistischen Standards aufzugeben. Gleichzeitig erleben wir in den Kommentarspalten auch viel Ablehnung und Hass. Deshalb ist es wichtig, dort im Gespräch zu bleiben, einzuordnen und konstruktive Diskussionen zu ermöglichen. Es geht darum, Orientierung zu bieten – auch in einem Umfeld, das stark von Geschwindigkeit, Emotionen und Algorithmen geprägt ist.“

Interaktive Workshops fördern kritisches Denken und Informationskompetenz
Im Anschluss vertieften die Jugendlichen ihr Wissen in interaktiven Workshops, die zentrale Herausforderungen der digitalen Medienwelt praxisnah vermittelten. In „The Truth Game – Journalismus vs. Manipulation“ zeigten die Journalistin Clarissa Corrêa da Silva sowie Emma Miesler und Sandra Jütte von #UseTheNews, wie sich Fakten und Emotionen im Wettbewerb um Aufmerksamkeit behaupten und welche Rolle journalistische Sorgfalt dabei spielt. Gemeinsam mit Tim Eisenlohr und der Robert-Havemann-Gesellschaft setzten sich die Teilnehmenden unter dem Titel „Wie weit bist du bereit zu gehen?“ mit dem Einsatz für Menschenrechte in der DDR auseinander und diskutierten, wie Oppositionelle trotz Repression eine Gegenöffentlichkeit schufen – mit Parallelen zu heutigen autoritären Systemen. 

Im Workshop „True Crime DDR – Operative Arbeit der Stasi“ analysierten die Schülerinnen und Schüler mit Bettina Altendorf aus dem Bildungsteam des Stasi-Unterlagen-Archivs anhand originaler Akten konkrete Fälle politischer Verfolgung und erfuhren aus unterschiedlichen Perspektiven, wie Überwachung funktionierte und welche Folgen sie für die Betroffenen hatte. Die Friedrich-Naumann-Stiftung für die Freiheit und der Bundesverband der Freien Berufe (BFB) richteten den Blick auf die Gegenwart: Gemeinsam mit Carlotta Richter und Luca Samlidis hinterfragten die Teilnehmenden unter dem Titel „Zwischen Meinung und Wahrheit“ Inhalte auf TikTok und Instagram kritisch und produzierten eigene Social-Media-Beiträge. Im Workshop „Augen auf! Fake News erkennen und begegnen“ von Journalismus macht Schule und Reporter ohne Grenzen vermittelten die Journalistin und Politologin Ulrike Gruska sowie die Journalistin Daniela Zinser, wie Falschinformationen entstehen, wie sie erkannt werden können und welche Auswirkungen sie auf demokratische Prozesse haben. Die praxisnahen Formate vermittelten nicht nur Wissen, sondern stärkten gezielt die Fähigkeit, Informationen kritisch zu hinterfragen und sich eine fundierte eigene Meinung zu bilden.

Zum Abschluss reflektierten die Schülerinnen und Schüler ihre Workshop-Ergebnisse und diskutierten, welche Bedeutung Pressefreiheit für sie persönlich hat.

„Informationskompetenz ist eine Schlüsselqualifikation für junge Menschen in einer digitalen Welt voll mit Desinformation und Manipulation. Denn fundiertes Wissen ist eine wertvolle Ressource, kein Algorithmus-Geschenk. Dazu wollen wir mit dem Aktionstag beitragen und den Wert von unabhängigem Journalismus, der sorgfältig recherchiert, transparent informiert und verlässlich einordnet, vermitteln“, erklärt Antje Jungmann, Leiterin Kommunikation beim MVFP. Carmen Platonina, Senior Managerin Kommunikation beim MVFP, ergänzt: „Mit unserem Aktionstag machen wir deutlich: Pressefreiheit ist keine Selbstverständlichkeit. Sie lebt davon, dass wir sie verstehen, wertschätzen und schützen. Gerade junge Menschen müssen erfahren, was es bedeutet, sich frei zu informieren und eine eigene Meinung zu bilden – und welche Verantwortung damit verbunden ist.“

Der Aktionstag ist Teil der Pressefreiheitskampagne des MVFP, die am 27. April gestartet ist. Vier Motive rücken die Bedeutung freier Medien für Demokratie, Vielfalt und Europa in den Mittelpunkt und verleihen der Kampagne mit den Preisträgern des MVFP-Pressefreiheitspreises 2025, Susanne Koelbl und Paul Ronzheimer, ein persönliches Gesicht. Flankiert wird die Kampagne durch weitere Aktivitäten rund um den Tag der Pressefreiheit. Den Abschluss bildet der „Abend der Pressefreiheit“, bei dem der MVFP im Bündnis Zukunft Presse gemeinsam mit dem BDZV den Pressefreiheitspreis an Jimmy Lai, Cathrin Kahlweit und Jan Jessen verleiht und damit ein deutliches Zeichen für den Schutz und Erhalt von Journalismus weltweit setzt.

Gemeinsam mit dem MVFP engagierten sich beim Aktionstag das Bundesarchiv, das Stasi-Unterlagen-Archiv, der BFB – Bundesverband der Freien Berufe e.V., die Friedrich-Naumann-Stiftung für die Freiheit, glow Communications, Journalismus macht Schule, MZV Moderner Zeitschriften Vertrieb, Reporter ohne Grenzen, die Robert-Havemann-Gesellschaft, die Stiftung Lesen, #UseTheNews, die Wall GmbH sowie 9:16 WeCreate.

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