MVFP impuls: „Wir lieben Kino“
Nach der Berlinale kaufen die einen GALA, BUNTE und Co., um sich die Fotos der Stars auf dem roten Teppich anzusehen. Ich kaufe mir die „epd Film“, um die Beurteilung der Redaktion zu den gezeigten Filmen zu lesen und meine persönliche Liste der „Must-sees“ im Kino weiter zu füllen.
„Papa ante portas“ war 1991 der erste Film, den ich im Kino gesehen habe. Als Zwölfjährige habe ich die Brillanz von Loriots Humor noch gar nicht komplett erfasst, und doch haben diese anderthalb Stunden den Grundstein für meine Leidenschaft fürs Kino gelegt. Wenn das Licht ausgeht, tauche ich tief in die Welt auf der Leinwand ein – manchmal so sehr, dass ich mich ein bisschen sammeln muss, um in die Realität zurückzukehren, wenn das Licht wieder angeht.
Mit der „epd Film“ habe ich vor einigen Jahren eine Zeitschrift gefunden, deren Redaktion Kino offensichtlich ebenso liebt wie ich. Was sie von den meisten anderen Magazinen unterscheidet, ist das Verhältnis von journalistisch neutralen Texten zu Kommentaren. In den Fachzeitschriften unseres Verlages überwiegen beispielsweise die Fakten, Kommentare sind ein „Nice-to-have“. In der Filmzeitschrift sind Meinungen hingegen das »Must-have«, Kritiken machen einen Großteil jeder Ausgabe aus.
Und mit ihren Rezensionen bringen die Verfasserinnen und Verfasser mich immer wieder dazu, meine eigene Meinung zu überdenken und zu revidieren. Bei einigen Filmen ist mein erster Gedanke, wenn ich Titel und Inhaltsbeschreibung lese: Nee, das ist nichts für mich. Mein zweiter Gedanke, nach dem Lesen der Filmkritik, ist dann doch immer wieder: Vermutlich lohnt es sich, dem Film eine Chance zu geben. Meistens zu Recht, ohne diese Zeitschrift hätte ich viele großartige Filme verpasst.
Apropos verpasst – jeden Monat starten unzählige Filme, und nur die Blockbuster werden intensiv beworben. Hollywood-Produktionen sind überall präsent, den Start der meisten europäischen, arabischen, asiatischen Filme etc. bekommt man hingegen nur bei gezielter Recherche mit. In der Zeitschrift gibt es dafür eine praktische Übersicht aller startenden Filme, inklusive der Wiederaufführung von Klassikern. So kann ich manch ältere Produktion zum ersten oder x-ten Mal im Kino sehen.
Neben den Filmkritiken ist eine Rubrik den Streaming-Neuheiten gewidmet. Auch hier habe ich einige Serien und Filme entdeckt, die ich bei den üblichen „Das könnte Ihnen ebenfalls gefallen“-Vorschlägen der Anbieter sicherlich übersprungen hätte. Zu den weiteren Inhalten gehören u. a. Veranstaltungshinweise, Interviews, Berichte von Festivals und Reportagen zu allen Themen rund ums Kino – von Trends über Techniken bis hin zu einzelnen Filmen.
Die „epd Film“ ist eine der wenigen Zeitschriften und Zeitungen, die ich von vorne bis hinten durchlese. Aber nicht chronologisch, denn als Erstes schlage ich die Seite der Rubrik „E-Mail an …“ auf. In diesem sehr persönlichen Interview werden Prominente zu ihren Vorlieben befragt, z. B. nach dem besten Platz im Kino, ihren Vorbildern oder ihren Lieblingsfilmen. Und natürlich bin ich jeden Monat gespannt, welcher Promi antwortet und ob er oder sie vielleicht etwas mit mir gemeinsam hat – und sei es nur der Lieblingsfilm, der uns ein bisschen peinlich ist. Meiner ist „Tatsächlich… Liebe“.
Monika Verspohl ist Chefredakteurin der „BaustoffMarkt“, Rudolf Müller Mediengruppe.
