Peter Kropsch: Medienunternehmen müssen sich zum selbstbewussten Akteur wandeln
Beim gestrigen Sommerfest der Landesvertretung Nord des Medienverbands der freien Presse (MVFP) in Kooperation mit den Zeitungsverlegerverbänden ZVH und VZN sowie dem Verband Druck und Medien Nord-West in Hamburg sprach sich Peter Kropsch, CEO der Deutschen Presse-Agentur (dpa), vor gut 100 Gästen aus Medien, Politik und Wirtschaft dafür aus, Journalismus unter veränderten technologischen und wirtschaftlichen Bedingungen aktiv zu gestalten. „Longevity ist immer das Ergebnis erfolgreicher Anpassung an sich ändernde Umweltbedingungen.“
Der Vorsitzende der dpa-Geschäftsführung zeigte auf, wie Medienunternehmen trotz schwieriger Rahmenbedingungen wirtschaftlich erfolgreich bleiben können. Internet, Plattformen und künstliche Intelligenz hätten die Medienwelt grundlegend verändert. Nachrichtenagenturen seien „Journalismus pur“, sagte Kropsch. „Die dpa hat sich in dieser veränderten Medienwelt vom reinen Lieferanten journalistischen Rohmaterials zum Verifizierer, Enabler und Transformationspartner ihrer Kunden weiterentwickelt.“ Gerade mit Blick auf künstliche Intelligenz liege die verteidigbare Position journalistischer Medien dort, wo Originale entstehen: bei eigener Recherche, neuen Fakten, Verifikation und investigativer Arbeit. Kropsch sprach in diesem Zusammenhang von einem neuen „Zeitalter der Reporter“.
Entscheidend sei, journalistische Angebote konsequent an ihrem Nutzen für Lesergruppen und Kunden plattformunabhängig auszurichten. Kropsch plädierte für „radikale Nützlichkeit, größere Plattform-Unabhängigkeit und Member Value statt kurzfristiger Gewinn-Maximierung“. Medienunternehmen müssten aus der Opferrolle gegenüber Plattformen herauskommen, selbst zu Akteuren werden und tragfähige Geschäftsmodelle entwickeln. Nur so könnten sie auch in einem von technologischem Wandel und wirtschaftlichem Druck geprägten Umfeld resilient und relevant bleiben.
Peter Strahlendorf, Vorsitzender des MVFP Nord, ordnete die aktuelle Lage der Verlage mit Blick auf künstliche Intelligenz ein. „Für uns Verlage ist künstliche Intelligenz ein Game Changer. Da findet eine Zäsur statt, die wir vor einem Jahr in dieser Tragweite vermutlich alle nicht so gesehen haben“, sagte Strahlendorf. Zugleich könne die KI den Verlagen hilfreich zur Seite stehen, Arbeitsprozesse modernisieren, strukturieren und effizienter machen.
Die Kehrseite liege jedoch in der Art und Weise, wie KI-Systeme trainiert würden und sich Inhalte aneigneten. Strahlendorf verwies auf juristische Auseinandersetzungen, unter anderem mit Blick auf die GEMA sowie die Verlage Carlsen und Penguin Random House. KI an sich sei dabei weder gut noch schlecht, sondern ein Werkzeug; entscheidend seien die Anbieter dahinter, die die Regeln einhalten und für Transparenz sorgen müssten. Bislang stünden Rechteinhaber jedoch vor der schwierigen Aufgabe, selbst nachweisen zu müssen, dass ihnen durch die Nutzung ihrer Inhalte durch die KI ein Schaden entstanden sei.
Strahlendorf sprach sich daher dafür aus, die Beweislast im Umgang mit KI und geistigem Eigentum umzukehren. Nicht die geschädigten Rechteinhaber müssten nachweisen, dass ihre Inhalte unberechtigt genutzt worden seien; vielmehr müssten KI-Anbieter darlegen, woher ihre Trainingsinhalte stammten und ob sie rechtmäßig eingesetzt wurden. „Wer unsere Inhalte mit KI nutzen oder an ihnen lernen und trainieren will, muss vorher um Erlaubnis fragen und offenlegen, wie sie verwendet werden sollen.“
Zu den Gästen zählten unter anderem Medienschaffende wie Stefan Aust, Prof. Dr. Christopher Buschow, Dr. Olaf Conrad, Matthias Ditzen-Blanke, Beate Gerold, Thomas Hass, Dr. Tobias Korenke, Martin Lange, Hendrik Lünenborg, Frank Mahlberg, Dr. Michael Plasse, Lars Joachim Rose, Dr. Gregor Peter Schmitz, Dr. Alfons Schräder, Nadja Stavenhagen, Dr. Bertram Stausberg, Michael Voss und Axel Walkenhorst.
Über den MVFP Nord
Der MVFP Nord ist die Landesvertretung des Medienverbands der freien Presse (MVFP) für Hamburg, Schleswig-Holstein, Niedersachsen, Bremen und Mecklenburg-Vorpommern. Der Verband engagiert sich für die Interessen seiner Mitglieder, fördert den regionalen Erfahrungsaustausch und unterstützt die Verlage mit Beratung, Fortbildungen und Seminaren. Zugleich setzt sich der MVFP Nord für faire, nachhaltige und zukunftsorientierte Rahmenbedingungen für die freie Presse ein.








