MVFP NRW | Vom Traditionstitel zur modernen Medienmarke: Der Neustart von Estates Gazette
„Bei den derzeitigen grundlegenden Verschiebungen im Markt ist Stillstand keine Option“, betonte Michael Voss, Vorstandsvorsitzender des MVFP NRW, zu Beginn des Mittagstalks, der sich vor allem um die Frage drehte, wie sich ein mehr als 160 Jahre alter Fachtitel aus Großbritannien mit einem kleinen Team in kurzer Zeit erfolgreich neu positionieren ließ.
Mark Allen, Chairman der Mark Allen Group, und Valerie Henry-Baldock, Publisher und Chief Marketing Officer von Estates Gazette, sprachen mit der UK-Medienexpertin Barbara Geier über die Geschichte der Marke und den gelungenen Neustart im Jahr 2025.
Estates Gazette wurde 1858 in London gegründet und entwickelte sich zur wichtigen Informationsquelle für den britischen Gewerbeimmobilienmarkt. Im Zuge der Digitalisierung und der Umbenennung in „EG“ verlor der Titel jedoch an Exklusivität und Reichweite. Im Februar 2025 übernahm die Mark Allen Group die Marke.
Von Anfang an setzte das neue Team auf die Strahlkraft des Namens. Bereits die Rückkehr zum vollständigen Titel „Estates Gazette“ sendete ein klares Signal. Mit dem Rebranding im April 2025 folgten mehr redaktionelle Inhalte, hochwertiges Papier, ein prägnanter Markenauftritt und ein konsistentes Design. Ziel war es, die Autorität des Titels im Markt wieder sichtbar zu machen.
„Ich komme ursprünglich aus dem Journalismus und bin überzeugt: Wenn die Inhalte stimmen, folgt alles andere von selbst. Deshalb muss der Fokus zuerst auf dem Content liegen“, erklärte Mark Allen. Das Team wollte den Lesern wieder klar zeigen, wofür Titel und Marke stehen.
Inhaltlich richtet sich Estates Gazette konsequent am Markt aus: Wer schließt Deals? Welche Akteure bewegen die Branche? Welche Entwicklungen verändern das Geschäft? Im Mittelpunkt stehen nicht laute Schlagzeilen, sondern die Geschichten dahinter.
Ebenso wichtig ist die passende Ausspielung. „Follow your consumer – Verleger müssen verstehen, wie ihre Zielgruppe Inhalte nutzen will, und Angebote entsprechend gestalten“, so Allen. Estates Gazette erscheint weiter gedruckt und digital. Hinzu kommen Podcasts, Veranstaltungen und der Aufbau einer aktiven Community. Dabei setzt die Marke gezielt auf bekannte Stimmen aus der Branche. Chefredakteur Tim Burke moderiert Podcasts und Events. Mit Peter Bill schreibt ein früherer Editor sowie profilierter Branchenkenner eine eigene Kolumne.
„Bei der Transformation geht es nicht nur um Wachstum, sondern um Fokus, Klarheit und konsequente Umsetzung“, sagte Valerie Henry-Baldock.
Damit wandelte sich das Geschäftsmodell in den vergangenen Jahren deutlich – weg von werbegetriebenen Erlösen, hin zu stärker leserfinanzierten Einnahmen. Für das Geschäftsjahr 2026/27 erwartet das Unternehmen, mehr als die Hälfte des Umsatzes mit Abonnements zu erzielen. Werbung soll rund 28 Prozent beitragen, Events etwa 18 Prozent.
