MVFP und BDZV verurteilen Übergriffe auf Journalistinnen und Journalisten
Mit Sorge blicken der Medienverband der freien Presse (MVFP) und der Bundesverband Digitalpublisher und Zeitungsverleger (BDZV) auf die Übergriffe auf Journalistinnen und Journalisten am Rande des AfD-Parteitags in Erfurt.
Wer Medienschaffende einschüchtert, bedroht oder körperlich angreift, greift nicht nur einzelne Reporterinnen und Reporter an, sondern die Pressefreiheit selbst. Eine freie und unabhängige Presse ist unverzichtbare Voraussetzung für Meinungsvielfalt, gesellschaftlichen Diskurs und unsere freiheitlich-demokratische Ordnung.
Pressefreiheit gilt unabhängig von der politischen oder publizistischen Ausrichtung eines Mediums. Sie ist kein Privileg für einzelne Stimmen, sondern ein grundgesetzlich verankertes Grundrecht. Welche Positionen redaktionelle Medien vertreten, ist Ausdruck von Meinungsvielfalt und Gegenstand öffentlicher Debatten sowie – sofern erforderlich – rechtlicher Bewertung, niemals aber von Einschüchterung, Gewalt oder politischer Missbilligung. Die Grenzen journalistischer Tätigkeit bestimmt das geltende Recht, nicht die politische Haltung anderer.
Die zunehmende Verrohung im Umgang mit Journalistinnen und Journalisten sowie mit Verlagen und Medienhäusern ist alarmierend. Bedrohungen, Einschüchterungen und körperliche Angriffe schaffen ein Klima, das freie Berichterstattung erschwert und damit die demokratische Öffentlichkeit insgesamt schwächt. Dass solche Übergriffe keine Einzelfälle sind, zeigt auch die aktuelle Rangliste von Reporter ohne Grenzen. Die Organisation stuft die Lage der Pressefreiheit in Deutschland 2026 nur noch als „zufriedenstellend“ ein. Deutschland ist zum zweiten Mal in Folge zurückgefallen und belegt inzwischen Rang 14. Besonders alarmierend: Gerade dort, wo demokratische Teilhabe sichtbar wird, ereignen sich die meisten körperlichen Angriffe auf Journalistinnen und Journalisten. Von 46 verifizierten körperlichen Angriffen auf Medienschaffende im Jahr 2025 ereigneten sich 41 im Umfeld von Demonstrationen, Parteiveranstaltungen und Protestaktionen.
Pressevielfalt schützt Meinungsfreiheit. Deshalb müssen Staat und Gesellschaft gleichermaßen dafür sorgen, dass Journalistinnen und Journalisten ihre Arbeit frei, unabhängig und sicher ausüben können.
