EU-Verpackungsregeln: Druckbranche drängt auf Übergangszeit für rechtssichere Umsetzung
Gut eine Woche vor dem heutigen Geltungsbeginn der EU-Verpackungs- und Verpackungsabfallverordnung (PPWR) hat die Europäische Kommission überarbeitete FAQ veröffentlicht. Darin nimmt sie teils neue Einordnungen zur Rollenverteilung und dadurch zu Pflichten von Wirtschaftsakteuren vor. Die Verbände der Wertschöpfungskette Druck begrüßen grundsätzlich die teilweise neue Auslegung der Verordnung als Schritt in die richtige Richtung, um die praktische Umsetzung zu erleichtern – kritisieren jedoch die Kurzfristigkeit der Veröffentlichung ausdrücklich.
Die Unternehmen in den Handelsstrukturen der Druckindustrie sowie der Presse- und Buchbranche sehen sich aufgrund der Komplexität der Verordnung, neuer Rechtsbegriffe und zusätzlicher Pflichten seit Monaten mit erheblicher Unsicherheit konfrontiert. Bereits die FAQ der Kommission vom März 2026 ließen zahlreiche Fragen offen. Die nun Anfang August veröffentlichte Überarbeitung zeigt zudem, dass auch auf EU-Ebene zentrale Umsetzungsfragen erst schrittweise erfasst und geklärt werden.
„Bis zum heutigen Geltungsbeginn bleibt den Unternehmen nicht genug Zeit, um neue Auslegungen zu Rollen und Pflichten rechtssicher zu bewerten und in ihren Prozessen umzusetzen“, betonen die Verbände. Besonders groß seien die Umsetzungsprobleme beim grenzüberschreitenden Versand im EU-Binnenmarkt – vor allem für Unternehmen, die nur Kleinstmengen versenden, ist z. B. eine Bestellung von Bevollmächtigten in jedem einzelnen Land wirtschaftlich nicht tragbar.
Die Verbände fordern daher:
- einen angemessenen Übergangszeitraum für eine rechtssichere Umsetzung der PPWR,
- Vertrauensschutz für Unternehmen, die ihre Pflichten auf Grundlage der bislang veröffentlichten Informationen nach bestem Wissen umgesetzt haben,
- Zurückhaltung bei Kontrollen und Sanktionen zum Start der Anwendung: Behörden müssten berücksichtigen, dass aufgrund der späten Klarstellungen faktisch keine ausreichende Vorbereitungszeit bestand,
- eine einheitliche, verlässliche Auslegung der PPWR in der EU: unterschiedliche Bewertungen zwischen Europäischer Kommission und nationalen Behörden müssten umgehend geklärt werden,
- pragmatische Lösungen für den EU-Binnenmarkt, insbesondere zu Registrierung und Systembeteiligung – inklusive dringend erforderlicher Korrekturen für Kleinstunternehmen sowie für geringe, zudem recyclingfähige Verpackungsmengen beim Versand über Ländergrenzen hinweg.
- Zudem muss die Pflicht zur kostenintensiven Bestellung von Bevollmächtigten in EU-Ländern dringend überarbeitet werden.
Die notwendige Übergangszeit müsse die EU gemeinsam mit den Mitgliedstaaten nutzen, um eine praxistaugliche und rechtssichere Umsetzung der PPWR sicherzustellen, fordern die Verbände der Wertschöpfungskette Druck.
Informationen zu den absendenden Verbänden:
DerGesamtverband Pressegroßhandel e.V. (GVPG) ist die Interessenvertretung der Pressegroßhändler in Deutschland. Seine Mitglieder sind mit Dienstleistungen von allgemeinem wirtschaftlichem Interesse betraut. Sie stellen als neutrale Absatzmittler passgenaue Zeitungs-, Zeitschriften- und Zusatzsortimente zusammen und beliefern werktäglich Overnight den stationären Einzelhandel aus einer Hand. Das Grosso-Vertriebsnetz umfasst bundesweit 2.000 Auslieferungstouren mit rund 75 Tausend Angebotsstellen in den Städten und auf dem Land.
Der Bundesverband Digitalpublisher und Zeitungsverleger e. V. (BDVZ) ist die zentrale Stimme der deutschen Zeitungsunternehmen und digitalen Publisher. Der Spitzenverband bündelt die Kräfte seiner Mitglieder, die mit ihren gedruckten und digitalen journalistischen Angeboten für professionellen und unabhängigen Journalismus stehen. Die Förderung und Stärkung der Verlagsbranche als essenzielle Säule einer pluralistischen Medienlandschaft und als Repräsentant von Meinungs- und Pressefreiheit ist zentrales Ziel des BDZV. Auf deutscher und europäischer Ebene setzt sich der BDZV aktiv für zukunftsfähige wirtschaftliche, politische und rechtliche Rahmenbedingungen der freien, privatwirtschaftlich organisierten Presse ein.
Der Börsenverein des Deutschen Buchhandels e. V. ist die Interessenvertretung der deutschen Buchbranche gegenüber der Politik und der Öffentlichkeit. Er wurde 1825 gegründet und vertritt rund 4.500 Buchhandlungen, Verlage, Zwischenbuchhändler und andere Medienunternehmen. Er veranstaltet die Frankfurter Buchmesse, vergibt den Friedenspreis des Deutschen Buchhandels sowie den Deutschen Buchpreis, engagiert sich in der Leseförderung und für die Freiheit des Wortes.
Der Bundesverband kostenloser Wochenzeitungen e. V. (BDVA) vertritt als Spitzenorganisation seit seiner Gründung am 3. Juli 1987 die Interessen der Verlage kostenloser Wochenzeitungen in Deutschland. Dem BVDA gehören 157 Verlage mit insgesamt 474 Titeln und einer Wochenauflage von 35,5 Millionen Exemplaren an. Damit repräsentiert der BVDA 65 Prozent der Gesamtauflage der kostenlosen Wochenzeitungen in Deutschland. Kostenlose Wochenzeitungen werden bundesweit von rund 50 Millionen Menschen über 14 Jahren gelesen.
Der Bundesverband Druck und Medien e. V. (BVDM) ist der Spitzenverband der deutschen Druck- und Medienwirtschaft. Als Arbeitgeberverband, politischer Wirtschaftsverband und technischer Fachverband vertritt er die Positionen und Ziele der Druck- und Medienwirtschaft gegenüber Politik, Verwaltung, Gewerkschaften und der Zulieferindustrie. Getragen wird der BVDM von acht regionalen Verbänden. International ist er über seine Mitgliedschaft bei Intergraf und FESPA organisiert. Zur Druckindustrie gehören aktuell rund 6.000 überwiegend kleine und mittelständische Betriebe mit mehr als 95.000 sozialversicherungspflichtig Beschäftigten.
Der Medienverband der freien Pressen e. V. (MVFP) vertritt die Interessen der deutschen Zeitschriftenmedien auf nationaler und europäischer Ebene. Insgesamt informieren in Deutschland knapp 7.000 Zeitschriftentitel der Publikums-, Fach- und konfessionellen Presse mit digitalen und gedruckten Ausgaben ihre beruflich oder privat interessierte Leserschaft über praktisch alle denkbaren Themen. Die ca. 300 Mitglieder des MVFP sind überwiegend kleine oder mittlere Unternehmen und repräsentieren gemeinsam den Großteil des deutschen Zeitschriftenmarktes.
Die Interessengemeinschaft Deutscher Kunsthandel vertritt die sechs größten deutschen Kunsthandelsverbände mit ca. 1.000 Mitgliedsunternehmen. Ihre Mitglieder sind der Berufsverband des Deutschen Münzenfachhandels e.V., der Bundesverband Deutscher Galerien und Kunsthändler e.V., der Bundesverband Deutscher Kunstversteigerer e.V., der Kunsthändlerverband Deutschland e.V., der Verband der deutschen Münzenhändler e.V. und der Verband Deutscher Antiquare e.V.
